Ansicht Performance

changing slowly

Performance zum Performance-Tag ZEITSPRÜNGE
Karl-Marx-Platz, Greifswald, 2024

Foto: Lars Heidemann

Aus einem unbedruckten Jutebeutel ziehe ich weißen Stoff heraus und stülpe ihn über mich hinüber. Während ich mich dann innerhalb dieser Hülle langsam bewege, mich eindrehe, mich aufrichte und wieder zu Boden sinken lasse, wird diese wie aus Zauberhand nach und nach eingefärbt. Es dauert eine Weile den Vorgang zu registrieren, denn für das Publikum ist nicht sichtbar, woher die Farben kommen und wann und wo sie als nächstes auftauchen.
In der Performance verändert sich nicht nur die Form, sondern auch die Farbigkeit der Hülle – und zwar auf eine Weise die nicht vorhersehbar ist und eine gewisse Zeit braucht. Changing slowly funktioniert als Gleichnis für Veränderungsprozesse. Sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Entwicklungen brauchen gewisse Zeiträume um vollzogen und schließlich wirksam zu werden. Sie lassen sich nicht über Nacht realisieren.

Galerie
Ansicht Performance

Wandel

Performative Installation (15 min)
Spielhalle KUNST, Greifswald, 2024

Foto: Eva Leder

Zur 34. Landesweiten Kunstschau, thematisch bezogen auf das 250. Jubiläum Caspar David Friedrichs, entwickelte ich die Performance „Wandel“. Friedrichs Bildwelten verstehe ich als immerwährendes Fragen danach, wer wir sind und wie wir die Welt, in der wir leben, erfahren und gestalten. Mich beschäftigt dabei vor allem das Bedürfnis nach einem bewussteren Erleben. Deshalb sind verschiedene Wahrnehmungsebenen in die Arbeit integriert: Eine Videocollage, die über Bewegungen meines verhüllten Körpers auf landschaftliche Aspekte Bezug nimmt, wird von hinten auf eine große, im Raum installierte Projektionsfläche übertragen. Der für die Performance erstellte Klangteppich begleitet die Situation. Von vorn dient diese Fläche als Leinwand für eine Malerei, welche ich spontan entstehen lasse. Für das Publikum trete ich als Rückenfigur in Erscheinung, während ich die visuellen und auditiven Eindrücke in die malerische Improvisation aufnehme.

Galerie
Performance Ansicht

exploration

Performance zum 6 ½ Minuten-Event
Studio 301, Rostock, 2022

Eine Hülle aus Stoff, in der eine weitere Hülle versteckt ist, wird zum sich wandelnden Behältnis für meinen Körper. Durch Bewegungserkundungen auf engstem Raum im Inneren, entstehen innerhalb weniger Minuten zahlreiche skulpturale Gebilde im Außenraum mit unterschiedlichen Farben und Texturen. Der die Performance begleitende Klang bleibt bis auf eine kurze flüsternde Sequenz nonverbal und sphärisch. Er deutet mit seiner Tiefe auf Verborgenes.

Galerie
Still Performance

wort los II

Performance mit Jana Nedorost
Pommersches Landesmuseum, Greifswald, 2022

Über improvisierte Gesten entspinnt sich ein Dialog, der durch spannungsvolle Elemente spielerisch gestaltet wird. Es spiegelt sich wieder, dass ein großer Teil unserer Kommunikation ohne Worte auskommt, auch wenn uns das nicht bewusst ist. In dieser bewegten, teilweise tänzerischen Improvisation werden verschiedene Aspekte des nonverbalen Austausches sichtbar. Ob ein Versuch der Annäherung, eine Verweigerung oder das Austesten von Grenzen – die Dynamik der Performance bleibt für das Publikum nachvollziehbar, obwohl kein Wort gesprochen wird. Der individuelle Ausdruck ist einzigartig und doch für jeden verstehbar, so dass das Repertoire an Kommunikationsmöglichkeiten schier unerschöpflich scheint. Unser Selbstausdruck ist eine unterschätzte Ressource, die hier zum Tragen kommt.

Galerie
Bild Performance

was bleibt

Performance mit Karen Kunkel und Peter Tucholski
Traktorenhalle, Groß Kiesow, 2021

Klänge, die an rieselndes Getreide und knatternde Traktoren erinnern, stehen in Interaktion mit Farbflächen und Strukturen, die auf der Folie eines sechsseitigen, von innen beleuchteten Objektes erscheinen und sich verdichten. Außerhalb der Installation erzeugt der Klangkünstler Peter Tucholski durch sein Spiel mit den selbst gebauten, mitunter riesigen Klangobjekten flüchtige audiovisuelle Eindrücke. Von drinnen antworten Karen Kunkel und ich mit Pinsel und Farbe auf die klanglichen Eindrücke. Die malerischen Gesten werden im Außen für das Publikum sichtbar. Unsere Schatten verschwinden nach und nach hinter der Malerei.

Bild Performance

fortlaufend

Performance
Kunstkubus CUBIC, Greifswald, 2021
Foto: Pauline Stopp

Eine Tanzimprovisation, die keiner Choreografie folgt, sich statt dessen aus der Situation heraus entwickelt. Hierfür verwende ich Elemente mit unterschiedlichen Qualitäten, setze sich wiederholende Bewegungen, die an einen Schwimmvorgang erinnern, einer Auswahl sehr freier Bewegungen gegenüber. Im weitesten Sinne erzeugt der Tanz dadurch ein Spannungsfeld zwischen Automation und Kreativität, das an unser aller Lebensalltag erinnert. Umgebende Geräusche, Lichtverhältnisse und sich vorbei bewegende Objekte und Personen beeinflussen den Verlauf der Performance.

Die Performance fand im Rahmen des Projektes “Freistil – CUBIC performativ” statt, das vom art-cube – Raum für zeitgenössische Kunst e.V. organisiert wurde.

Performance bodies in dialogue

bodies in dialogue

Performance mit Merle Saarva
Innenhof Kulturzentrum APARADITEHUS in Tartu, Estland, 2019

Foto: Julia Piehl

Drei hölzerne Plattformen auf dem Innenhof des Kulturzentrums APARADITEHUS dienen als Tanzboden. Durch ihre Benutzung werden sie zur Bühne. Ohne Worte und ohne Choreografie entwickelt sich ein Tanzstück, das von zwei Personen erzählt, die aufeinander treffen, sich umkreisen, die sich individuell entfalten und aufeinander Bezug nehmen, um für einen Moment miteinander zu sein.

Die Performance wurde im Rahmen des vom Goethe-Institut Estland veranstalteten Kulturfestivals “Saksa Kevad – Deutscher Frühling 2019” aufgeführt.

Straßenansicht

trace the lines

Performative Intervention mit Yvonne Dombrowski, Michael B. Ludwig und Hans Christian van Nijkerk (Künstler:innengruppe SINTOS)
Innenstadt Bergen, Norwegen, 2018
Foto: Petter Lønningen

SINTOS zu Besuch in der norwegischen Stadt Bergen an einem kalten Novemberabend in der mit Lichtern geschmückten Einkaufsmeile:
Ein knallgrüner Putzhandschuh taucht auf. Und eine Leinwand, die mit einer Wäscheleine befestigt über den Boden gezogen wird. Dann schwirrt ein dadaistischer Klangteppich durch die Luft, auf welchen mit Gebärden geantwortet wird. Eine Frauenstimme ertönt nun, ein Bass stimmt ein. Passanten werden aufmerksam, manche bleiben stehen.
SINTOS in Bewegung – vier Körper im Dialog. Einer Gruppe Jugendlicher scheint das zu gefallen. Sie halten inne, imitieren das Gesehene und versuchen, mit eigenen Gesten Kontakt aufzunehmen.
Die Leinwand wurde vor der Aktion an der Leine durch die Stadt gezogen. So hat sie Schmutzspuren aufgenommen und selbst Spuren hinterlassen – Spuren, denen andere hätten folgen können. Nun steht sie im Zentrum des Geschehens, wird noch einmal zeichnerisch bearbeitet. Mit der Leinwand verlässt SINTOS schließlich den Ort.

Publikation